Karriereanker: Glückliche Mitarbeiter machen den Team-Erfolg

Unbetritten ist der „Glücksfaktor“ bei der Arbeit einer der stärksten Treiber; er ist Voraussetzung für Motivation und Engagement. Nur durch Motivation kann ein Mitarbeiter zu seiner Höchstform auflaufen. Und dies ist wiederum ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass sich starke und erfolgreiche Teams bilden (der geneigte Leser wird bemerkt haben, wie ich versuche den Bogen in Richtung Scrum-Team zu bringen).
Nachdem ich mich mit drei von vielen Möglichkeiten beschäftigt habe, wie man Scrum-Teams ziemlich sicher auszubremsen kann soll nun ein „konstruktiver“ Beitrag folgen.

Agile Methoden wie Scrum werden natürlich nicht um ihrer Selbst Willen betrieben, sondern vor dem Hintergrund, besser getestete und akzeptierte (Software-)Produkte in weniger Zeit entwickeln zu können. Es ist ein angenehmer Nebeneffekt, dass Scrum nicht nur vom Management, sondern auch von Mitarbeitern eingefordert wird, weil es eine natürliche Art der Arbeitsweise und Zusammenarbeit fördert: Mehr Beteiligung am Produkt bedeutet auch mehr Selbstverwirklichung.

Kurz gefasst (TLDR):

Motivierte Mitarbeiter -> produktiver Teams -> qualitativeres Produkt in kürzerer Zeit

Motivation als Schlüssel erfolgreicher Teams

Erfolgreiche Teams gibt es nur, wenn jedes einzelne Team-Mitglied glücklich und dadurch motiviert ist.
Was aber wollen Mitarbeiter, wodurch motivieren wir uns? Philosophischer gefragt, was ist der Grund, dass wir uns jeden Morgen aus dem Bett bewegen?

Dass Geld allein nicht glücklich macht, ist ein offenes Geheimnis. Motivatoren der Arbeit sind beispielsweise darin zu sehen:

  • Anerkennung zu erhalten
  • Selbstverwirklichung erleben
  • Etwas Sinnstiftendes tun, etwas verändern und bewegen (die Welt retten, zum Beispiel ;-)) – an etwas großem Ganzen beteiligt sein
  • etwas Neues zum ersten Mal tun
  • etwas tun, wovon ich denke dass es für die Karriereleiter förderlich sein kann (in Verbindung mit monetären Zielen und auch Anerkennung)Eine Studie von Bain&Company hat herausgefunden, dass die Bedürfnisse einander bedingen und pyramiden-artig aufgebaut sind:
  • Pyramide der Mitarbeiter-Bedürfnisse
    Pyramide der Mitarbeiter-Bedürfnisse nach Bain&Company

8 Karriereanker

Als Karriereanker werden solche Aspekte bezeichnet, die Mitarbeiter an ihrer Arbeit als so bedeutend betrachten, dass sie ihnen grundlegende Entscheidungen im Hinblick auf ihre berufliche Entwicklung abhängig machen (unter der Annahme, dass sie ein „hinreichend hohes“ Gehalt beziehen, dessen Höhe nicht diese Entscheidungen wesentlich beeinflusst). Jeder Mensch hat natürlich individuelle Präferenzen und Wahrnehmungen, so dass die nachfolgend erläuterten Karriereanker in unterschiedlichen „Dosen“ bei jedem Menschen ausgeprägt sind.
Lanzenberger, Looss und Stadelmann haben diese 8 Karriereanker identifiziert:

  1. Technisch-funktionale Kompetenz
  2. Befähigung zum General Management
  3. Selbständigkeit
  4. Sicherheit und Beständigkeit
  5. Unternehmerische Kreativität
  6. Hingabe für eine Sache
  7. Totale Herausforderung
  8. Lebensstil-Integration

Die wichtigsten Anker sollen nachfolgend vorgestellt werden:

Technisch-funktionale Kompetenz

Wer sich auf eine besondere fachliche (vor allem technische) Kompetenz spezialisiert, wird sich im technisch-funktionalen Karriereanker wiederfinden. Charaktere dieser Kategorie finden Anerkennung eher im Lob durch Kollegen, deren Kompetenz sie schätzen, als im Lob eines Vorgesetzten, von dem sie wissen, dass er/sie die Leistung mangels technischer Expertise kaum zu würdigen weiß.

Selbständigkeit

Diese Kategorie hätte vermutlich auch „Freidenker“ benannt werden können, denn hierunter werden Mitarbeiter verstanden, die gerne gegen den Strom schwimmen, sich Normen widersetzen und ihrer persönlichen Freiheit den größten Wert beimessen. Sie stehen im direkten Gegensatz zum Karriereanker „Sicherheit und Beständigkeit“: Der sog. goldene Käfig, also die enge Integration und langfristige Bindung von Mitarbeitern ans Unternehmen, ist für die Selbständigen ein äußerst abschreckender Aspekt. Anerkennung empfinden die „Selbständigen“ am ehesten in der Bewerkstelligung der ihnen übertragenen Aufgaben.

Lebensstil-Integration

Flexibilität seitens des Arbeitgebers im Hinblick auf die Lebenssituation ist das „A und O“ bei diesem Karriereanker. Laut den Autoren ist es einer, der immer mehr Zulauf findet, da das Thema der Vereinbarkeit von Job und Familie immer mehr Stellenwert einnimmt.
Themen wie HomeOffice, flexible Arbeitszeiten, Möglichkeiten um Sabbaticals zu nehmen und eine grundsätzlich familienfreundliche Firmenpolitik spielen für Mitarbeiter dieser Kategorie eine große Rolle.

Glücklichsein

John Lennon hat über die Bedeutung von Glücklichsein (hapiness) einmal gesagt:

When I was 5 years old, my mom always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‚happy‘. They told me I didn’t understand the assignment and I told them that they didn’t understand life.

„Glücklich sein“, das ist Lennons Verständnis darüber, was er später sein möchte. Man mag ihm natürlich vorhalten, dass er als Kind ein naives Weltbild gehabt hatte. Und doch kann man einen grundlegenden Wahrheitsgehalt in seiner Aussage nicht abstreiten. Denn ist nicht die Arbeit, unser Beruf, eine der zentralen Lebensinhalte?

Ich fand dieses Zitat von John Lennon so treffend, dass ich sie in mein Xing-Profil übernommen habe :-).

Fazit

Jedes Team ist nur so erfolgreich wie die Summe der Team-Mitglieder. Der Erfolg jeden Unternehmens hängt von seinen Mitarbeitern wiederum ab. Je glücklicher und motivierter Mitarbeiter sind, umso produktiver sind sie. Dadurch, dass Scrum die Möglichkeiten zur Mitgestaltung genauso wie Verantwortung an jeden Mitarbeiter überträgt, bietet es eine wunderbare Grundlage um gute Voraussetzungen für erfolgreiche Teams zu schaffen.
Dafür ist es notwendig, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen, zu erkennen, was sie ganz persönlich motiviert, und wie sie ihre Karriereanker gesetzt haben bzw. wie sie sich einschätzen.

Scrum wurde erfunden, um bessere Produkte in kürzerer Zeit herstellen zu können. Dies wird einerseits durch eine forcierte Kommunikation zwischen Kunden, Product Owner und Entwicklungsteam erreicht; andererseits durch eine Umkehrung der Verantwortung:
Weg vom Command&Control-Ansatz aus dem Management ins Team, hin zur gemeinsamen Verantwortung des selbstorganisierten Teams.

Ausblick

Seit ein paar Monaten hat Xing mit der Kolumne „Spielraum“ einen eigenen Kanal eingerichtet, der sich dem Thema New Work widmet. Hier werden Ideen über die Arbeit der Zukunft (kontrovers) diskutiert und Unternehmen vorgestellt, welche bereits die Weichen in diese Richtung gestellt haben. Diese Unternehmen haben erkannt, dass sich der Arbeitsmarkts grundlegend ändert, dass Mitarbeiter mehr sind als nur Ressourcen.
Diese Einsicht ist notwendig, um langfristig erfolgreiche Teams zu bilden.

Agile Methoden entwickeln sich immer weiter. Wen es interessiert, wohin die Reise mit Scrum gehen könnte, dem sei ein Artikel zur Einschätzung von Boris Gloger in Sachen Scrum 3.0 und Organization 4.0 empfohlen.